Markus B. F. Graf
Einer der vielleicht ungewöhnlichsten Automobilhersteller der Welt hat seinen Sitz in einem ehemaligen Druckereigebäude in Waiblingen. Seine Geschäftsidee hat das Zeug dazu, »the next big thing« im globalen Automobilmarkt zu werden. Seinen Namen haben Sie vermutlich noch nie gehört. Im »feine adressen« Interview erzählt CEO Markus B. F. Graf eine fast unglaubliche Geschichte von schwäbischem Pioniergeist und Unternehmertum. Und warum er seinen Traumjob gefunden hat.
Auf die Frage, welche vier Autohersteller ihren Sitz in der Region Stuttgart haben, fällt den meisten sicher Mercedes und Porsche ein. Dem einen oder anderen kommt noch Smart in Böblingen in den Sinn. Aber den Namen des vierten und kleinsten Automobilherstellers kennt kaum jemand. Das ist kein Wunder. Denn der ist erstens noch sehr jung. Und zweitens im Vergleich zu den Automobil-Riesen auch (noch) recht klein. Dabei ist »klein« Programm und Name zugleich: »TYN-e« heißt das Startup, das den innerstädtischen Mobilitätsmarkt aufmischen will.

Internationales Wachstum mit schwäbischen Wurzeln
TYN-e verfügt bereits wenige Jahre nach Gründung über zwei hochmoderne Werke in China mit einer Produktionskapazität von jährlich 180.000 Fahrzeugen und einen globalen Vertrieb in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Afrika. Im Senegal werden mit den kleinen TYN-e Elektro-Lieferwagen schon Pakete zu ihren Empfängern gefahren. In Brasilien sollen sie demnächst dafür sorgen, dass Stau und Luftverschmutzung in der Mega-Metropole São Paolo nicht noch schlimmer werden. In Barcelona präsentiert man spanischen Handwerkern die Wägelchen als die ideale Lösung für enge Altstadtgassen. Und nicht weit vom hippen Brand-Store am Hafen von Premia de Mar entfernt lebt Markus B. F. Graf, der deutsche CEO, in einem ehemaligen Formel-1-Wohnmobil. Als echter »Working Nomad« pendelt er ohnehin meist zwischen den Fabriken in China, dem kreativen Hotspot Barcelona, und dem »Welt-Headquarter« in Waiblingen.
Schlanke Strukturen und clevere Logistik
Ähnlich wie Apple konzentriert man sich in der Zentrale darauf, Produkte zu entwickeln und den weltweiten Vertrieb und das Marketing zu orchestrieren. Die Produktion übergibt man einem Partner in China. Die weltweite Logistik, die sicherstellt, dass die TYN-e Fahrzeuge auch jederzeit an (fast) jedem Ort der Welt verfügbar sind, hat man gemeinsam mit einer der weltgrößten Reedereien ausgetüftelt und stapelt die Autochen clever in Containern, statt wie andere Hersteller damit große Transportschiffe zu füllen. Und damit am Ende alles so einfach und übersichtlich bleibt, dass es ganze zwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Waiblingen aus weltweit steuern können, gibt es die Autos in jeder gewünschten Farbe – vorausgesetzt, sie ist weiß


Schwäbische Wurzeln und bodenständige Gründer
Klingt auf den ersten Blick nach einer unglaublichen Geschichte. Ist aber höchst real. Und trotz aller globalen Aktivitäten: total im Schwäbischen geerdet. Denn hinter TYN-e stecken nicht etwa internationale Großinvestoren, sondern der Waiblinger Verleger Ullrich Villinger und Albert Weber, Inhaber des gleichnamigen Autozulieferers aus Markdorf am Bodensee. Deshalb fängt die Geschichte von TYN-e 2019 auch ganz bodenständig an. Villinger erkennt, dass das Zeitungsgeschäft keine große Zukunftsperspektive bietet. Um sein Unternehmen trotzdem in eine sichere Zukunft zu führen, heuert er den erfahrenen Manager Markus B. F. Graf an. Er soll die Transformation des Familienunternehmens mit neuen Ideen vorantreiben.
Bodenständige Gründer und neue Perspektiven
Klingt auf den ersten Blick nach einer unglaublichen Geschichte. Ist aber höchst real. Und trotz aller globalen Aktivitäten: total im Schwäbischen geerdet. Denn hinter TYN-e stecken nicht etwa internationale Großinvestoren, sondern der Waiblinger Verleger Ullrich Villinger und Albert Weber, Inhaber des gleichnamigen Autozulieferers aus Markdorf am Bodensee. Deshalb fängt die Geschichte von TYN-e 2019 auch ganz bodenständig an. Villinger erkennt, dass das Zeitungsgeschäft keine große Zukunftsperspektive bietet. Um sein Unternehmen trotzdem in eine sichere Zukunft zu führen, heuert er den erfahrenen Manager Markus B. F. Graf an. Er soll die Transformation des Familienunternehmens mit neuen Ideen vorantreiben. Als Zeitungsverlag kennt man sich nicht nur im journalistischen Geschäft und mit der Herstellung von Druckprodukten aus. Sondern vor allem mit dem viel komplexeren Geschäft der »last mile« – nämlich damit, die Zeitung jeden Tag mit hoher Zuverlässigkeit an zigtausend Abonnenten zu verteilen. Wer das kann, verfügt über Fähigkeiten, die sich auch anderweitig nutzen lassen. Und weiß, wo die Logistiker der Schuh drückt.

Von der Idee zum marktreifen Elektro-Lieferwagen
So ist Villinger mit seiner shareX AG an seinem Waiblinger Zeitungsverlag an der BWPOST beteiligt, die der Deutschen Post Konkurrenz macht und dafür auf der Suche nach kleinen, umweltfreundlichen und wirtschaftlichen Elektro-Lieferwagen ist. Das Angebot der großen Hersteller wird schnell als untauglich erkannt. Denn eine Reichweite von 300 Kilometern wird für den täglichen Einsatz nicht gebraucht. Dafür wäre es schön, wenn die Wagen statt einer Tonne Batterien, deutlich mehr Nutzlast schleppen könnten. Und vor allem deutlich günstiger wären. Wie so oft bei eigentlich unglaublichen Firmengeschichten kommt der Zufall ins Spiel. Graf sieht auf einer Messe den Prototypen eines kleinen Elektro-Lieferwagens, den die Automobil Spezialisten von Albert Weber entwickelt haben. Dort hat man sich vor einiger Zeit zum Ziel gesetzt, Lösungen für nachhaltige Mobilität zu entwickeln, nachdem man viele Jahre sein Geld vor allem mit der Herstellung von Hochleistungsmotoren für AMG Mercedes, Porsche und BMW verdient hat. Die Techniker haben ganze Arbeit geleistet. Aber es fehlt eine unternehmerische Perspektive für den kleinen Lieferwagen. Den steuern Villinger und Graf bei. Gemeinsam wird investiert, fast vier Jahre weiter im Stillen getüftelt und verbessert. Und schließlich findet sich mit Shandong Horche ein chinesischer Partner, der in die Produktionsanlagen investiert, so dass die ersten voll elektrischen TYN-e Kleinlieferwagen vor ziemlich genau einem Jahr der Öffentlichkeit präsentiert werden können.
»Wir haben keine Großinvestoren im Rücken, die täglich nach der Rendite fragen.«
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